Reutte bis Gardasee. 380 Kilometer. Über 8.000 Höhenmeter. Sieben Schüler, zwei Lehrer, sechs Etappen – und Geschichten, die wir so schnell nicht vergessen werden.
Ende Juni war es soweit: Der Seminarkurs MTBX der Claude-Dornier-Schule machte Ernst. Ein Schuljahr lang hatten sich die Teilnehmer vorbereitet – mit Techniktraining im Bikepark Hochjoch, Spinning-Einheiten im Activ Fitness Club Friedrichshafen, einer Nachhaltigkeitsexkursion am Gehrenberg und unzähligen Ausfahrten. Jetzt warteten die Alpen.
Die Route
Von Reutte in Tirol führte die Tour über Nassereith nach Sölden, von dort über das Timmelsjoch auf 2.468 Meter – dem Dach der gesamten Reise – hinab ins Passeiertal nach St. Leonhard. Weiter durch Südtirol nach Bozen, über Molveno, und schließlich die letzte Abfahrt hinunter nach Torbole an den Gardasee. Täglich zwischen 52 und 80 Kilometer, täglich neue Landschaften, täglich neue Herausforderungen. Engagierte Eltern übernahmen mit privaten Fahrzeugen und dem freundlicherweise ausgeliehenen Radanhänger des RSV Seerose die Anreise – herzlichen Dank dafür. Zurück ging es bequem per Bikeshuttle.
Frühaufsteher gewinnen
Das Wetter hatte eigene Pläne. Täglich waren Gewitter am Nachmittag angesagt – also hieß es: früh raus. Besonders am Tag des Timmelsjochs startete die Gruppe extra früh mit einem klaren Ziel: alle trocken über den Pass. Es hat geklappt. „Ich war froh, als wir oben am Pass waren“, sagt Kai. In der Abfahrt tröpfelte es minimal – genug, um der Regenjacke im Rucksack endlich ihre Daseinsberechtigung zu beweisen.
Der Abend desselben Tages hielt dann noch eine Überraschung bereit: Die Unterkunft war falsch eingeplant, und plötzlich warteten noch knapp 300 zusätzliche Höhenmeter auf den Jaufenpass – mitten im Gewitter. Was folgte, gehört zu den Momenten, über die man später lacht. Oder, wie Jonas es treffend formulierte: „Im Nachhinein war’s cool.“ Entschädigt wurde die durchnässte Truppe mit einer fantastischen Unterkunft, herzlichen Gastgebern und einem Schwimmbad mit Sauna und Infrarotkabine. Dass die Gruppe früh genug gestartet war, um den kompletten verregneten Nachmittag in dieser Unterkunft zu verbringen, machte die Sache merklich erträglicher.
Der Fahrradgott schlägt zurück
11 Plattfüße in sechs Tagen – das klingt nach viel. Und war es auch. Sechs davon fielen ausgerechnet an jenem Tag an, an dem die Gruppe die geplante Route leicht kürzte. Ob das Zufall war oder göttliche Strafe für die Abkürzung, darüber lässt sich trefflich streiten. Mathis, der nach eigener Aussage den ersten und den letzten Platten der Tour kassierte, könnte ein Lied davon singen. Zum Glück hatte die Gruppe vorher bei Zweirad Joos einen Reparaturworkshop absolviert – die Reifen waren damit schneller wieder dicht als der nächste Regenschauer aufzog.
Verpflegt und versorgt
Dass die Gruppe auf den langen Etappen nie in Hungersnot geriet, ist dem DM Markt Friedrichshafen zu verdanken, der die Tour mit Riegeln und Trinkpulvern unterstützt hat. „Wir müssen noch Snacks kaufen“ war zwar trotzdem ein wiederkehrender Ruf – aber das gehört dazu.
Momente, die bleiben
Den Rest der Tour begrüßte die Gruppe mit bestem Wetter. Und wer die Abfahrt vom Monte Ranzo nach Torbole einmal hinuntergerollt ist, versteht Andis Urteil sofort: „Die Abfahrt zum Gardasee war das Beste.“ Den letzten Abend verbrachte die Gruppe nach einem Bad im Gardasee bei Pizza an einem Aussichtspunkt hoch über dem Gardasee – mit grandioser Aussicht auf See und Berge und dem Bewusstsein, es geschafft zu haben.

Was bleibt? Wunde Stellen („Mein Arsch tut weh“ – Alle), Erinnerungen an Plattfüße und Momente, die zusammenschweißen. Und die Erkenntnis, dass Wahoo-Navigation manchmal eigene Vorstellungen von Bergauf und Bergab hat.
„Es war anstrengend, aber richtig schön“ (Jonas), „Das würde ich sofort nochmal machen“ (Maxi), „Am Ende zählte nicht die Zeit, sondern dass alle es geschafft haben“ (Mathis) – die Zitate sagen eigentlich alles.
Herzlichen Glückwunsch an alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer sowie an Paul Scheirle und Max Wilke für eine außergewöhnliche Abschlussfahrt – und ein großes Dankeschön an alle, die die Tour möglich gemacht haben!























